Stadtplan gratis für Websites wird schnell teuer

Sie sind auf dem Weg einen kostenlosen Stadtplan im Internet zu finden - PRIMA !
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Zwei angenehme Überraschungen

Heute war ich auf kostenlos.de - leider klappte es da mit Mozilla nicht, sodaß ich weiter zog zu KostNixx.de
Dort gab ich den Suchbegriff "Stadtpläne" ein und siehe da, es wurde nur einer, dafür aber ein ganz frischer Eintrag angezeigt: "Über 1000 interaktive Stadtpläne, Kreis- und Freizeitkarten - aktuell, detailgetreu, maßstabsgerecht und mit vielen weiteren Informationen."

Neugierig suchte ich das Angebot auf. Denn es wäre doch schön, auf stadtplan-gratis.de die Linkliste erweitern zu können.
Gute Nutzerführung, stellte ich fest. Doch, ja - man findet wenn man eine Anfahrtsskizze für seine Website sucht, sehr schnell zur passenden Karte.
Ein Link zu "Nutzungsbedingungen" ist zwar da, gut sichtbar oben angebracht, aber wer ruft ihn schon auf, kommt man doch gerade von einem Kostenlosangebot hier her?

Ich aber rufe natürlich geradewegs diese Nutzungsbedingungen auf. Tatsächlich ist an dem Webangebot nicht mehr und nicht weniger Kostenloses, wie an jedem anderem Angebot im WWW auch. Man darf sich die Karten anschauen und man darf sich eine private Kopie abspeichern.
Aber bereits das Setzen eines Links ist genehmigungspflichtig. Und obendrein behält sich der Verlag vor, die Nutzungsbedingungen jederzeit zu ändern.

Daraufhin rief ich bei kostnixx.de an und berichtete von den Problemen, die durch ihren Eintrag entstehen können. Dass Webdienstleister solch ein "Kostenlos-Angebot" als Einladung zum Kopieren von Karten missverstehen könnten, war als Gefahr bisher in der Redaktion überhaupt nicht bekannt. Mir wurde daher auch sehr freundlich gedankt und der Eintrag soll unter diesem Aspekt nochmals überprüft werden, hat mir die Gesprächpartnerin versichert. Entgegen meiner Annahme werden auch nicht alle Einträge von Anbietern selbst getätigt, sondern die Redaktion recherchiert auch selbst und erweitert ohne Zutun der Anbieter ihre Verzeichnisse kostenloser Angebote. Kaum habe ich den Telefonhörer aufgelegt, ist der Eintrag auch schon bei kostnixx.de verschwunden.

Kritisch wendete ich mich danach noch mal dem eigentlichen Kartenangebot selbst zu. Wer von seiner Website gerne auf eine bestimmte Karte linken möchte, dem steht für den (ausdefinierten) Link eine Auswahl an Bannern in verschiedenen Größen zur Verfügung. "Bitte binden Sie den Stadtplan Ihrer Stadt oder Gemeinde ansprechend in Ihre Website ein. Beispielsweise mit den von uns vorbereiteten Buttons oder Bannern." Oh je, nimmt man das "Angebot" wahr und hat eine ansonsten private Homepage, so ändert sich dadurch ihr Status. Banner und bannerähnliche Buttons sind schließlich Werbeinstrumente. Ab sofort nimmt die vormals private Site dann am geschäftlichen Verkehr teil - mit allen Pflichten. Jede noch so kleine Verfehlung kann dann Anlass für eine teure Abmahnung sein.

Lizenzangebote sind auf der Website nicht auszumachen. Bleibt also abzuwarten, bis von diesem Verlag Abgemahnte zu uns kommen und in der Abmahnung dann plötzlich eine versteckte Preisliste hervor gezaubert wird, denke ich misstrauisch. Aber komisch, dass bislang noch kein Abgemahnter durch diesen Verlag bei der Abmahnwelle "aufschlug". Und neu ist dieser Verlag nicht. Also greife ich wieder zum Telefon.
"Wenn ich eine Ihrer Karten kopiere, einen Kringel bei meiner Straße anbringe und als Anfahrts-Skizze auf meiner Homepage veröffentliche. Was passiert dann?" - Stille am anderen Ende. O.k., dann direkter: "Und weiter angenommen, Sie erfahren davon. Dann beauftragen Sie doch sofort eine Kanzlei mit der kostenpflichtigen Abmahnung an mich? Und dann kommt noch hinzu Schadensersatz...." Zögernd am anderen Ende: "Ja, dann geben wir das hausintern weiter." Ich überrascht: "Hausintern? Heisst das, Sie lassen gar nicht kostenpflichtig abmahnen?" Und von der anderen Seite kommt die Bestätigung: "Richtig, wir geben das an unsere Rechtsabteilung weiter." Hoppla, genau so also, wie wir bei der Abmahnwelle uns das so sehr wünschen würden. Aber ich will das noch mal ganz genau hören und wie sich das womöglich mit den Schadensersatzforderungen gestaltet. Nein, tatsächlich. Dieser Verlag sucht nicht gezielt nach Urheberrechtsverletzungen. Werden ihm entsprechende Umstände bekannt, dann setzt sich die Dame aus der Rechtsabteilung mit dem Verletzer in Verbindung und fordert ihn auf, die Karte aus dem Netz zu nehmen. Nein, der Verlag verdient auch nicht mit Lizenzen sein Geld, sondern mit Anzeigen. Daher ist ihm wichtig, dass die Karten auch nur auf ausgesuchten Webseiten zu sehen sind und deshalb wird kein grundsätzliches Lizenzangebot bereit gestellt sondern individuell ausgehandelt.
Und da ich natürlich auch nicht möchte, dass durch diesen Beitrag Leute auf das Angebot aufmerksam werden, die gegebenenfalls eine Karte klauen, verrate ich den Link zu diesem Verlag nicht. Es ist einfach schön, dass es durchaus auch Verlage gibt, die nicht Jagd auf Urheberrechtsverletzungen machen, ohne Vorwarnung eine teure Abmahnung schicken - in der wortwörtlich immer das selbe steht und die obendrein noch rückwirkend entgangene Lizenzgebühren als Schadensersatz geltend machen.
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 [jur]
 25.06.2003 12:09