Stadtplan gratis für Websites wird schnell teuer

Sie sind auf dem Weg einen kostenlosen Stadtplan im Internet zu finden - PRIMA !
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Blühendes Geschäft mit der Schussligkeit der Webmaster
 

Wie verkauft man Kunden erfolgreich digitale Produkte, für die sie freiwillig nichts oder jedenfalls nicht viel Geld ausgeben würden? Man verbündet sich mit den Mitbewerbern, schafft hinreichend Gelegenheit für Diebe, lässt diese dann bequem in Suchmaschinen durch Detektive aufspüren und überlässt anschließend das "Verkaufen" den Anwälten. Denn bekanntlich schützt Unwissenheit vor Strafe nicht. Und daher muss das ertappte Schussel Mondpreise für ein entbehrliches Produkt einschließlich "Finderlohn" für den Detektiv und obendrein noch das Gehalt der "Verkäufer" bezahlen.

Stadtpläne werden traditionell über Werbeeindrucke finanziert. Die Verlage können also annehmen, dass sich daher auch im Internet kaum Kunden für ihre Karten finden lassen. Daher müssten Verlage besser ihre Tradition fortsetzen und im Internet nur Karten mit Werbeeindrucken präsentieren. Firmen könnten ihren Standort mit einem entsprechenden kleinen Logo markieren lassen und würden durch das erlaubte Kopieren in den Genuss fast unendlicher Werbung kommen. Dafür dürften sie auch bereit sein, eine entsprechend höhere Summe für diese Werbeform auszugeben. Webmaster würden die kleinen Logos nicht stören, da sie eher weitere nützliche Markierungs- und Orientierungspunkte darstellen in ihrem Lageplan. Allenfalls würden sie versuchen, sich auch den Eindruck eines Logos leisten zu können. Dass Webmaster die Graphiken aber extrem nachbearbeiten könnten, wäre nicht zu befürchten gewesen.

Doch merkwürdigerweise wurde genau diese Tradition der werbefinanzierten Stadtplanerstellung im Internet nicht fortentwickelt. Statt dessen bieten Verlage werbefreies Kartenmaterial an. Eine Karte ist nettes Beiwerk zu einem Internetauftritt. Niemand kalkuliert für Beiwerk die größte Geldsumme, die eine Internetpräsenz verschlingt. Das ist es, was Kartenanbieter über ihre potentiellen Kunden wissen können und wonach sie handeln müssten. Statt dessen werden aber exorbitant hohe Preise für den Einbau in die eigene Website "angeboten". Mit diesen Mondpreisen soll wohl jeder Webmaster dafür büßen, dass der Printmarkt in den letzten Jahren zurück gegangen ist.

Doch diese Lizenzgebühren und Nutzungsrechte nehmen die wenigsten überhaupt wahr. Denn kaum jemand kann sich so ohne weiteres vorstellen, dass so etwas Profanes wie ein Stadtplan sonderliche Urheberrechte genießt. Bauten und Straßenzüge sind schließlich real und können im Stadtplan nicht geschützt werden. Daher ruft man gar nicht die Lizenzangebote oder Nutzungsbestimmungen auf, sondern kopiert sich den Kartenausschnitt und geht weiter.

Gelegenheit macht Diebe: Werbefreie Stadtpläne finden sich überall: auf jeder kommunalen Internetpräsenz, auf zahllosen kostenlos verteilten Telefon- und Branchen-CDs. Ja zahlen denn die Städte und Internetzugangsprovider den Kartenverlagen so viel, dass sich die digitalen Karten rechnen? Weit gefehlt, wird jeder wissen, der ein wenig über die finanzielle Lage der Kommunen informiert ist. Aber wie zufällig sind die Karten nur kaum wahrnehmbar als urheberrechtlich geschützt gekennzeichnet. Diese Verteilung generiert frische Urheberrechtsverletzungen. Wer ahnt schon: Man hat zwar das Recht auf eine Privatkopie, aber nicht, einen Ausschnitt davon auf der eigenen Homepage zu veröffentlichen.

Warum werden denn so emsig selbst von nicht mehr verlegten Atlanten noch die Kartenrechte nicht mehr existierender Verlage hin und her verschachert unter einer kleinen Gruppe von Verlagen? Ganz einfach, dass Rechte weiterverkauft worden sein könnten, ahnen diejenigen nicht, die sich aus einem älteren Autoatlas einen Ausschnitt für die Website einscannen und mühevoll bearbeiten. Es nutzt ihnen nichts, sie haben dann gegen das UrheberGesetz verstoßen.

Einträge in Verzeichnissen mit kostenlosen Angeboten sind auch tückisch. Mit "kostenlos" ist gemeint: "Man darf sich die gewünschte Karte für den persönlichen Bedarf abspeichern und ausdrucken." - Mehr nicht. Wenn die Stadtplan-Angebote also schon in solchen Kostenlos-Listen geführt werden, müsste jede andere Website dort auch eingetragen sein, denn man kann alle kostenlos für sich persönlich kopieren und ausdrucken. Aber die Webmaster denken, dass diese Karten kostenlos auf der eigenen Website eingesetzt werden dürfen und verstoßen dann - nichtsahnend gegen das Urhebergesetz.

Genial, der Kunde bezahlt sogar das Gehalt des Verkäufers Anscheinend haben sich die Kartenverlage schon von vorne herein nicht auf richtige Kunden, sondern auf Zwangskunden, nämlich Urheberrechtsverletzer konzentriert. Sowohl die Euro Cities AG, wie auch die Verlage, die sich bei der GEKA [extern] organisiert haben, bieten Lizenzen in exorbitanter - aber verdächtig vergleichbarer Höhe an. Offenbar sollen damit Anwälte geködert werden, sich gründlich den Urheberrechtsverletzern - also den unfreiwilligen Kunden - anzunehmen. Da die Kosten der Abmahnung vom Streitwert abhängen und der Streitwert für eine Berufung hoch genug sein muss, kann das Produkt natürlich auch nicht billig sein. Aber hat sich das Opfer erst mal verfangen, hat es keine Wahl mehr.

Die abmahnenden Anwälte sind Verkäufer von Zwangslizenzen der Verlage. Und die Richter nicken diesem Treiben wohlwollend zu. An jeder so hereingespielten Lizenz verdient die GEKA mit, denn irgend woher muss ja die Vergütung für deren Fahndungs-Beauftragung kommen. Bei der GEKA ist unter Ziele [extern] zu lesen: "Die GEKA recherchiert und spürt lediglich die Rechtsverletzung auf. Dafür erhält sie (nur) von den Verlagen ein Honorar." Durch diese Hintertüre lässt man sich also die vorbereitende Ermittlung zur Verfolgung von Rechtsverstößen bezahlen.

Eingenommenes Geld wird - sofern hier wenigstens normale wirtschaftliche Gesetze gelten, auch den Unternehmen wieder zu geführt. So ist anzunehmen, dass mit den eingespielten Schadensersatzgeldern oder Zwangslizenzen, die Verlage weitere Kartenrechte erwerben. Und vielleicht werden damit irgendwo im Ausland billige Arbeitskräfte bezahlt, die hübsche neue Stadtpläne herstellen. Die werden dann wieder über Städte und Telefonbuchverlage w/billig verbreitet. Doch während Unternehmer normalerweise für Werbung bezahlen, lassen sich die Verlage von den Verteilern sogar noch das ursächliche zwangskundengenerierende Verbreiten des Kartenmaterials vergüten. Und so rollt der Rubel munter weiter und weiter.

Wer erkennt, dass er unabsichtlich gegen das Urheberrecht verstößt mit seinem Lageplan, hat einiges zu tun, um die Spuren zu bereinigen. Mit dem Löschen eines Links auf die Karte ist es nicht getan. Die Karte muss weg. Am Besten ersetzt man die Graphikdatei durch eine unverfängliche, gleichen Namens... und wie es dann weiter geht verrät folgender Artikel: Von Suchmaschinen erfasste Karten bzw. online-Inhalte entfernen
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 [jur]
 29.07.2004 13:51